Jet-Ventilation

Heute etwas zu einem wenig etablierten Verfahren in der allgemeinen Anästhesie-Praxis. Es handelt sich um die Jet-Ventilation, die man entweder durch die Punktion der Trachea oder transtracheal durchführen kann.

Einsatzbereiche sind der schwierige Atemweg und HNO-Eingriffe

Die wichtigste Indikation vielleicht ist der schwierige Atemweg als eine Möglichkeit, eine „Cannot Ventilate cannot Intubate“ Situation zu beherrschen, in der mit herkömmlichen Mitteln der Patient nicht beatmet werden kann – ergo in Notfallsituationen.

Mit einer möglichst großen Venenverweilkanüle wird die Trachea punktiert, bis Luft aspirabel ist, und dann per Jet-Ventilator der Patient beatmet.

Ein weiterer Einsatzbereich sind elektive Eingriffe, bei denen Operateur und Anästhesist um den Atemweg konkurrieren. Klassischerweise ist dies der Fall bei Eingriffen in der Hals-Nasen-Ohren Heilkunde, und dort spezifisch bei starren Bronchoskopien um zum Beispiel Fremdkörper aus den Atemwegen zu entfernen. Das Bronchoskop besitzt einen eigenen Beatmungskanal, über den beatmet werden kann.

Gemeinsamkeiten sind der offene Atemweg und der geringe Durchmesser des Beatmungskatheters

Alle genannten Atemwegszugänge haben gemein, dass die Lumengröße äußerst gering ist. Mit einem herkömmlichen Beatmungsgerät könnte man nie genug Druck aufbauen, um einen ausreichenden Gasfluss zu gewährleisten. Außerdem ist der Atemweg nach proximal hin offen beziehungsweise ungeblockt, sodass man normalerweise viel zu viel Leck und Verlust von Atemgas hätte.

An dieser Stelle kommen Jet-Ventilatoren zum Einsatz. Beispielhaft möchte ich den Manujet III Ventilator der Firma VBM Medizintechnik GmbH nennen. Letztlich ist das bloß ein Druckminderer, der an einen Sauerstoff- oder Druckluftanschluss der Wandversorgung angeschlossen wird. Darüber werden die ~5bar der Versorgung gemindert auf Werte zwischen 2 bis 4 bar, die für die Beatmung notwendig sind.

Das physikalische Wirkprinzip ist der Venturi-Effekt

Mit diesem hohen Druck wird ein sehr dünner, schneller Gasstrahl erzeugt, der durch seine Flussgeschwindigkeit weiteres Gas mit sich in die Lunge „zieht“. Dieser Effekt ist als Venturi-Effekt bekannt.

Über entsprechende Ansatzstücke kann entweder per Luer-Lock oder normale Beatmungsanschlüsse beatmet werden. Die Firma bietet natürlich entsprechendes Material in einem Set an.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Gerät wirklich schnell zu guten Ergebnissen führt. Allerdings hat es ein paar Eigenheiten, die man dringend vorher wissen sollte. Vor allem muss man den Einstellungsknopf für den Druck mit Kraft nach außen ziehen, damit man überhaupt einstellen kann. Wie immer ist eine Geräteeinweisung und regelmäßiges Anschauen wichtig, damit es im entscheidenden Moment – und der kommt im Zweifel sehr schnell und überraschend – dann auch funktioniert.

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