Goiania und Strahlenunfälle

 

Mit ionisierender Strahlung wird gearbeitet in Kernkraftwerken, der Industrie, Forschung und Medizin – ansonsten noch beim Handling mit Kernwaffen. Insgesamt ist die Rate an Unfällen doch eher gering – von 1945 bis 2002 gab es laut Strahlenschutzkommission gerade einmal 352 „kleine Strahlenunfälle“.

Zunächst zur Definition nach SSK für einen Strahlenunfall per se:

  • >0,25 Sv Ganzkörperdosis
  • >6 Sv Haut, Extremitäten
  • >0,4 Sv andere Organe
  • Oder erhebliche Inkorporation, Kontamination, medizinische Unfälle

Es gibt auch noch eine andere Definition der StrlSchVO „Ereignisablauf, der für eine oder mehrere Personen eine effektive Dosis von mehr als 50mSv zur Folge haben kann“.

Weiterlesen

Tuberkulose und Atemwege

 

Wie schon in meinem Beitrag über die HME-Filter angedroht, soll heute ein Artikel über die Tuberkulose und Konsequenzen für uns „an den Atemwegen Beteiligte“ folgen.

Tatsächlich war ja die Quintessenz dieses Beitrags, dass Patienten, die mit HME-Filter beatmet werden, relativ ungefährlich sind. Der BDA fordert an dieser Stelle eine Abscheiderate von >99%, die von den gängigen Filtern auch erreicht wird.

Nun müssen wir den Atemweg aber auch schon mal „öffnen“. Vor allem zum Intubieren oder generell in Notfallsituationen atmen solche Patienten in der Regel nicht schon durch einen HME-Filter (wie unpraktisch). Meistens noch nicht mal durch eine Maske. Wie steht es da um unseren Schutz? Stichwort: FFP3-Maske.

Weiterlesen

Intranasales Lidocain gegen Kopfschmerzen?

 

In sozialen Netzwerken lernt man ja bisweilen interessante Dinge. Bis vor kurzem wusste ich zum Beispiel gar nicht, dass die Blockade des Ganglion pterygopalatinum eine diskutierte Möglichkeit ist, Kopfschmerzen zu lindern. Das wird unter verschiedenen Aspekten beleuchtet, vor allem aber in der Schmerzmedizin bei Migräne und – da das ja ein Anästhesie-Blog ist – natürlich auch beim postpunktionellen Kopfschmerz.

Dazu musste ich natürlich recherchieren und möchte euch hier meine Ergebnisse präsentieren. Wir werden zunächst in die Anatomie eintauchen müssen und dann bewegen wir uns langsam über das diskutierte Prozedere hin zum möglichen Effekt oder Benefit.

Weiterlesen

Vergleichbarkeit von volatilen Anästhetika

 

Auf besonderen Wunsch heute ein Beitrag zum Thema Blut-/Gas-Verteilungskoeffizient von volatilen Anästhetika. Ein typisches Dauerbrenner-Thema in Anästhesie-Prüfungen, wenn auch von der rein rechnerischen Seite her eher komplizierter und weniger praxisrelevant.

Die Botschaft, die dahinter steckt, ist natürlich interessant: Welches Inhalationsanästhetikum ist wie gut steuerbar? Darum geht es uns ja meist: Wir möchten den Hebel umlegen, und er Patient schläft. Hebel aus – Patient wird wach. Schnelle Wechselzeiten, möglichst kein Hangover, „der Nächste bitte“.

Weiterlesen

Frohe Weihnachten!

Heyho, die Gewinner des Gewinnspiels werden heute benachrichtigt und Anae-Doc macht eine Pause bis ins neue Jahr. Passt auf euch auf, bleibt stabil und kommt nächstes Jahr brav wieder 🙂

Weihnachten am Infusionsständer; Heike C. Ewert

Jahresrückblick 2023

 

Alle Jahre wieder ein Jahresrückblick – das hat schon Tradition 🙂

Seit August 2017 erscheinen hier regelmäßig Beiträge, die letzten Jahre fest in einem Rhythmus von 15 Tagen. Die Qualität und die Spannung variiert sicherlich, aber ich bin überrascht, dass ich es immer noch schaffe, regelmäßig was rauszuhauen.

Um es noch mal ganz klar zu sagen: Diese Seite hier wird von mir alleine betrieben, mit allem was dazugehört. Vor allem die Podcasts auf iTunes und Spotify, die App, die Grafiken, das ganze Homepage-Brimbamborium. Da steckt kein Team hinter. Mir macht das Spaß und es ist mein Baby. Ich freue mich, wenn ich auf einer Fortbildung auf dem Herren-WC angesprochen werde, dass man meine Stimme erkannt habe bei der Vorstellungsrunde  😉 Ich freue mich über jeden Kommentar und die kleinen Fachsimpeleien.

Finanzielle Interessen gibt es hier nicht jenseits davon, dass sich die Seite selbst tragen muss: Und das tut sie, mit geringem Überschuss: Über Affiliate Links bei den Buchrezensionen, die App und die Prüfungsvorbereitsungspodcasts. Gerade die letztgenannten sind mit erheblichem Sonderaufwand für mich verbunden gewesen und insofern finde ich das nicht verwerflich. Man bedenke, dass das alles neben einem Vollzeitjob und Familie und diversen Privataktivitäten noch stattfindet. Das Projekt Anae-Doc ist mir ein liebes Hobby 🙂

So, jetzt aber genug geschwafelt. Die meiner Meinung nach besten Artikel 2023 sind:

Insbesondere der erstgenannte Artikel vom letzten Monat ist besonders: Es ist der erste Gastbeitrag auf diesem Blog! Sehr lesenswert und vielleicht verändert er die Nüchternheitspraxis in eurem Krankenhaus. Schaut doch mal rein.

Wenn ihr auch eine Idee für einen Beitrag habt, dürft ihr mich gerne kontaktieren.

Von der Statistik-Seite entwickeln sich die Kanäle unterschiedlich. Bei Spotify stehe ich bei 2.500 Abonnenten, bei iTunes bei 2.100. Das ist in Summe fast das Dreifache im Vergleich zum Vorjahr (1.500 insgesamt). Wow! Der Podcast läuft gut 🙂

Der auf Eis gelegte Youtube-Kanal steht bei 2.200 Abonnenten und wächst weiter. Mit regelmäßigem Content wäre das sicher mehr – – aber woher die Zeit dafür nehmen, wenn nicht stehlen?

Die Aufrufe des Blogs pendeln sich bei etwa 8.200 / Monat ein, was auf das Jahr gesehen wieder etwa 100k macht, wie im Vorjahr. Mehr Wachstum wäre natürlich schön gewesen, aber vielleicht gelange ich einfach langsam an eine Sättigungsgrenzen für mein Format?

Und nun genug von den Statistiken und zum diesjährigen Gewinnspiel! Wie jedes Jahr benötige ich Input in Bezug auf neue Themen für Beiträge. Schreibt mir etwas dazu in die Kommentare hier oder über das Kontaktformular.

Zu gewinnen gibt es zweierlei (ihr müsst euch entscheiden, was ihr im Fall einer Ziehung gerne hättet): Zum einen habe ich noch ICU-Crocodile Patches vom letzten Jahr übrig (die müssen natürlich versendet werden, insofern würde dafür eine Versandadresse benötigt):

Alternativ habe ich Bluesky-Codes, die ich stiften könnte. Die Medbubble ist da sehr aktiv und lohnt sich!

Der Cutoff für Einsendungen liegt wie letztes Jahr am 14.12.2023 um 23:59 Uhr. Es werden 3 Gewinner gezogen. Danach eingegangene Kommentare werden zwar eventuell für Beiträge berücksichtigt, aber nicht mehr für die Verlosung. Ausschluss des Rechtswegs. Diesdas.

Ich freue mich auf ein neues Jahr mit euch!

Liberale Flüssigkeitskarenz

 

Ein Gastbeitrag von Anne Rüggeberg und Eike Nickel

Im letzten Beitrag wurde die Frage gestellt, wie wir die Empfehlungen zur präoperativen Flüssigkeitskarenz in Zukunft für unsere Patient:innen vor Narkose gestalten sollten?

Das Problem

Das Problem ist ja, dass die strikte Einhaltung der aktuellen Leitlinienempfehlung einer 2-stündige Flüssigkeitskarenz in der Realität dazu führt, dass Patient:innen im Median bis zu 12 Stunden vor ihrer Narkose nicht getrunken haben. Dies steht im Widerspruch zur Empfehlung der Leitlinie, dass Patient:innen nicht länger als 2 Stunden nüchtern sein sollten. Längeres Fasten beeinträchtigt nicht nur das Wohlbefinden unserer Patient:innen, sondern erhöht auch deutlich die perioperative Morbidität. Doch welche Lösungsansätze bietet uns die Literatur?

Weiterlesen

Nüchternheit und Aspirationsrisiko?

 

Internationale Leitlinien empfehlen eine 2-stündige Flüssigkeitskarenz vor Narkoseeinleitung [1–3]. Das ist organisatorisch kaum umsetzbar. Und aus Angst, das Anästhesist:innen eine Narkoseeinleitung bei Patient:innen ablehnen, die diesen Grenzwert unterschreiten, dürfen diese sicherheitshalber ab den frühen Morgenstunden nichts mehr trinken. Und da je länger nüchtern umso besser schon immer so war, trinken einige Patient:innen zuletzt am Vorabend. Dass das nicht gut ist, wissen wir alle.

Neurologische Symptome treten bereits beim Verlust von 1% des Körperwassers auf, dies entspricht ungefähr 400ml bei einem normgewichtigen Erwachsenen [4]. Jeder Notarzt kennt den Einsatz zur Bewusstseinseintrübung im Seniorenheim und kann nach intravenöser Flüssigkeitsgabe einen aufgeklarten Patienten in seiner gewohnten Umgebung belassen.

Aber sollten unsere Patient:innen nicht mit optimalen Voraussetzungen in ihre Operation starten, so wie Sportler in einen Wettkampf? Warum ist das nicht so? Und können wir so weitermachen?

Weiterlesen

Mehr lesen