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Lungenphysiologie in der Intensivmedizin

 

Ich höre jetzt schon das Aufstöhnen. Gruselig! So viele Formeln! Was will der von uns?!!11elf

Fakt ist: die Formeln sind zwar, nun ja, Formeln (das macht’s nicht besser, zugegeben). Aber sie haben tatsächliche Relevanz, die die klinische Tätigkeit beeinflussen können. Gerade auch der Abschnitt zur Sauerstoffkonzentration CaO2 im Blut . Aber dazu später mehr, nachdem ihr den Schock verdaut habt, was ich hier vorhabe.

Zur besseren Nachvollziehbarkeit der folgenden Berechnungen und vielleicht auch für den Einsatz in Klinik oder Lehre habe ich einen Rechner programmiert. Seht ihr? Ich versuche es euch möglichst einfach zu machen 🙂

Einfacher noch ist natürlich meine App ADcalc, die das Nachrechnen der folgenden Sachen einfacher macht. Sie kann aber noch viel mehr. Schaut euch doch auch mal diese Seite an, wenn euch im Anschluss an den Artikel der Kopf raucht 😉

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ADcalc – Die AnaeDoc App!

Heute präsentiere ich euch meine App, die ich in den vergangenen Monaten entwickelt habe. Neben der Arbeit im Krankenhaus und so 😉

(für iOS gibt es aktuell leider keine Version)

Es handelt sich um einen „medizinischen“ Taschenrechner mit mehreren Anwendungsbereichen:

  • Formelberechnungen (Alveoläre Gasgleichung, CaO2, DO2, korrigiertes PO2/CO2)
  • BGA Interpretation
  • HEART- und YEARS-Algorithmus
  • Zusätzlich ein Modul, das die Dosisberechnung für Perfusoren übernimmt (mg/kg/h in ml/h und umgekehrt); die Bedienung ist den üblichen TIVA-Pumpen nachempfunden.
  • Das letzte Modul ist ein Medikamenten-Dosisrechner, der gewichtsadaptiert und konzentrationsabhängig Dosierungen pro kg Körpergewicht und korrespondierende Volumina in Milliliter ausgibt (interessant zum Beispiel für die Kinderanästhesie). Für alle hinterlegten Medikamente kann eine tabellarische Übersicht erzeugt werden; und wenn man möchte, kann sie auch als PDF exportiert und geteilt werden. Die Medikamenten-Datenbank lässt sich ebenfalls unter Kollegen teilen.

Wegen des Aufwands, den ich zur Entwicklung hatte, ist die App nicht kostenlos, aber hat wie ich finde einen fairen (geringen) Preis. Schaut sie euch doch mal an; rückerstatten kann man auf Google Play ja problemlos.

Für die weitere Dokumentation habe ich einen eigenen Bereich auf dem Blog eingerichtet,

Über Kommentare, Rezensionen, Feature-Wünsche etc. freue ich mich 🙂

Laryngospasmus und Negativdruck-Lungenödem

 

In diesem Beitrag möchte ich euch erst etwas zu Laryngospasmus und Beatmungsproblemen erzählen, um dann etwas tiefer in die Materie einzusteigen mit dem Negativdruck-Lungenödem.

Der Laryngospasmus ist eine Verkrampfung der Muskulatur der oberen Atemwege; typischerweise kommt es dabei zu einem krampfigen Verschluss der Glottis. Nicht zu verwechseln ist das ganze mit dem Bronchospasmus, der einen Krampf der glatten Bronchialmuskulatur bezeichnet (landläufig „Spastik“ genannt).

An dieser Stelle auch noch mal der Hinweis auf einen älteren Beitrag, wo ich einen Fall von Laryngospasmus unter einliegender Larynxmaske berichte (unschöne Situation).

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Comedy: Die Klinik-WG 03 – Anästhesiediplom

Die Klinik-WG wird fortgesetzt!

Folge 3: Anästhesiediplom

Auch zu hören auf iTunes.

Kommentare und Bewertungen sind ausdrücklich erwünscht.

Viel Spaß damit!

Atelektasen et al.

 

Atelektasen sind Feinde in der Anästhesie. Sehr böse. Nur Probleme. Oder nicht?

Es sind nicht belüftete Areale in der Lunge, das heißt: „zusammengefallenes Lungengewebe“ bzw. kollabierte Alveolen. Es können nur kleine Bereiche kollabiert sein, oder sogar eine gesamte Lunge (Totalatelektase).

Die Lunge wird grundsätzlich immer mehr oder weniger perfundiert. Wenn aber perfundierte Bereiche nicht ventiliert werden, kann das dort vorbei strömende Blut nicht mit Sauerstoff angereichert werden (das passiert in atelektatischen Bereichen). Es entsteht ein Ventilations-Perfusions-Mismatch und eine Vergrößerung des Rechts-Links-Shunts. Eine verschlechterte Oxygenierung des daran hängenden Körpers resultiert.

Die Ursachen können vielfältig sein:

  • Verlust von Surfactant, das die Oberflächenspannung normalerweise herabsetzt und so einen Kollaps der Alveolen verhindert (zum Beispiel im ARDS oder bei hohen Sauerstoffpartialdrücken der Fall)
  • direkte Kompression von Lungengewebe, zum Beispiel durch Tumore oder Ergüsse
  • Obstruktion von Lungenbereichen, zum Beispiel durch Sekrektverlegung oder Fremdkörper
  • Resorptionsatelektasen durch zu hohe inspiratorische Sauerstoffgaben

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Malignes neuroleptisches vs. Serotonin-Syndrom

 

Im folgenden Beitrag soll es um zwei seltene Syndrome gehen, die aber notfallmedizinisch und in der Notaufnahme relevant sein können.

„Serotonin-Sturm“; Heike C. Ewert

Weil beide Syndrome relativ unspezifische Symptome aufweisen, werden milde Fälle häufig als andere Entitäten fehlinterpretiert. Schwere Fälle hingegen werden häufig dem falschen Syndrom zugeordnet, weil sich viele unspezifische Symptome gleichermaßen finden. Dazu unten aber später mehr.

Die Ätiologie unterscheidet sich deutlich, und dann auch die anschließende Therapie. Die falsche Therapie kann das klinische Bild sogar verschlimmern! Deshalb sollte man von vornherein die richtige Diagnose stellen. Wie häufig, aber hier besonders, hat die Anamnese einen herausragenden Stellenwert.

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Comedy: Die Klinik-WG 02 – Hausmeister

Die Klinik-WG wird fortgesetzt!

Folge 2: Hausmeister

Auch zu hören auf iTunes.

Kommentare und Bewertungen sind ausdrücklich erwünscht.

Viel Spaß damit!

Sichelzellkrankheit – nicht nur Anämie!

 

Heute möchte ich etwas zum Thema Sichelzellkrankheit schreiben. Wohlgemerkt „-krankheit“, weil es viel mehr ist, als bloß die Anämie. Zumindest in meinem Studium hätte der Eindruck entstehen können, dass es nicht mehr ist. Aber dazu im Folgenden mehr.

Der Krankheit liegt die Mutation des Gens für die beta-Kette des Hämoglobins zugrunde. Zur Erinnerung: HbA (adultes Hämoglobin) besteht aus zwei alpha- und zwei beta-Ketten. Das erklärt auch, warum die Erkrankung erst mit etwa 6 Monaten „beginnt“. Das fetale Hämoglobin besteht aus 2 alpha- und 2 gamma-Ketten. Erst wenn die beta-Ketten gebraucht werden, stellt sich heraus, dass da ein Fehler vorliegt.

Mischformen mit anderen Anämie-Arten sind möglich: Zum Beispiel die Kombination aus Sichelzellneigung und Thalassämie. Phänotypen können heißen: HbSb-Thalassämie, HbSD, HbSO, HbSE etc.

Im angloamerikanischen Raum ist ein Neugeborenen-Screening darauf etabliert; im deutschsprachigen Raum leider trotz aller Bemühungen immer noch nicht. Immerhin ist die Prävalenz hier sehr gering.

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