Jetzt wird’s fishy – aquatische Allergien

 

In Auflistungen von Allergenen, die Anaphylaxien auslösen, stehen meist Nüsse, Sojabohnen und Krustentiere auf den ersten Plätzen.

In diesem Beitrag geht es zum einen um allergische Reaktionen, deren Pathophysiologie und Therapie im Allgemeinen und Fisch- und Krustentier-Allergien im Speziellen, sowie ein paar spezielle, spannende Differentialdiagnosen.

Die lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen sind meist vom Soforttyp (Typ 1) und IgE mediiert. Nach Kontakt des Körpers kommt es zu einer inadäquaten immunogenen Überreaktion, die v.a. eine unkontrollierte Histamin-Freisetzung zur Folge hat (über eine Reaktionskette von Antigen-präsentierenden-Zellen APC, T- und B-Zellen).

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Ketamin – unter Wasser und sonstwo

 

Zuletzt habe ich einen wirklich interessanten Film gesehen und darauf möchte ich einen Beitrag zum Thema Ketamin aufbauen. Es ging in „Dreizehn Leben“ um die Rettung einer thailändischen Fußballmannschaft aus der Tham-Luang Höhle, die bei überraschend einsetzenden Monsunfällen unter Wasser geraten war und die Jugendlichen und deren Trainer eingesperrt hatte. Sie mussten dort insgesamt bis zu 18 Tage ausharren (23.06.-10.07.2018), bis sie spektakulär durch einen internationalen Kraftakt gerettet werden konnten.

Dafür mussten mehrere Tauchgänge in Folge in Dunkelheit, bei reißender Strömung und im Höhlensetting durchgeführt werden. Diese Bedingungen sind allein schon für erfahrene Taucher sehr herausfordernd. Aber mit „Passagieren“ quasi unmöglich. Dass man mit guter Logistik, Planung und auch entsprechendem Medikamentenmanagement so eine Situation meistern kann, zeigt diese Operation. Und Glück muss man natürlich auch haben.

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euDKA – Ketoazidose unter SGLT2i

 

Manchmal kommt man zum Nachtdienst auf die Intensivstation, bekommt Patienten vorgestellt, und stolpert dann über Dinge, die dem Tagdienst irgendwie durch die Lappen gegangen sind. Einen solchen Fall möchte ich heute mit euch aufbauen. Und nebenbei könnte es sein, dass das zugrunde liegende Krankheitsbild in Zukunft häufiger zu sehen ist, auch wenn es für mich eher ein Kolibri war. Nachdem ich mal auf die Lösung gekommen war.

Situation: mitt-50-jähriger Alkohol-kranker Patient mit Leberinsuffizienz und pankreoprivem Diabetes, sowie Panzytopenie (alkohol-toxische Knochenmarkschädigung?) wurde aufgenommen in einer fulminanten Azidose: pH 6,885 – Base Excess -26,7 – Bikarbonat (SBC) 5,7!

Gehen wir doch mal der Reihe nach durch. Wir haben Azidose, offensichtlich. Da das pCO2 normwertig mit 31,5 und das Bikarbonat massiv erniedrigt war, handelte es sich offensichtlich um eine nicht-kompensierte metabolische Azidose. Ein weiterer Hinweis darauf war der deutlich negative Base Excess.

Erstaunlicherweise war das Kalium normwertig trotz der krassen Azidose. Wenigstens ein Problem weniger, um das wir uns kümmern mussten.

Der Patient war etwas somnolent und ihm war übel. Ansonsten entwickelte er relativ schnell nach Aufnahme eine Kussmaul-Atmung, mit der er es sogar auf einen pH von bis zu 7,2 brachte, bei CO2 von 11 😉 Aber das ist auf Dauer ja auch keine Lösung. Das Bikarbonat war einfach viel zu niedrig.

Aber was jetzt tun?

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Crocodile strikes again – Krokodilbisse

 

Der letzte Beitrag zu Krokodilen handelte von der speziellen Unterart des Intensiv-Krokodils und drehte sich im Grunde um CRM und Resilienz. Dennoch gilt wie immer:

  • Sei ein Krokodil! (Aber nicht die Kollegen beißen!)
  • Und auch: Sei ein Ultraschall-Ninja!

Wie dem auch sei, ich schweife ab.

Heute wollen wir uns den Krokodilen widmen (diesmal den echten), deren (Angriffs-)Verhalten und der Versorgung von entsprechenden Wunden und so weiter.

 

Zur Gruppe der Crocodylia gehören die echten Krokodile, Crocodylidae, und die Alligatoren und Kaimane, Alligatoridae. Außerdem die Gavialidae oder Gaviale, deren einzig lebender Vertreter heute der in Nepal und Nordindien lebende Gangesgavial ist. 

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Mysteriöse Muskelschmerzen…

 

Im Bekanntenkreis ist mir ein interessanter Fall untergekommen, den ich mit euch teilen möchte. Deshalb verrate ich euch nicht sofort, um welches Krankheitsbild sich dieser Beitrag dreht. Dafür müsst ihr schon dran bleiben 😉

Es präsentiert sich ein kräftiger Mann Mitte 60, Vorarbeiter auf dem Bau. Hauptbeschwerden sind Muskelkrämpfe in den Händen und Füßen, aber auch ab und zu den körperstammnahen Muskeln, sowie Schmerzen dort.

Weiterhin fällt euch auf, dass er recht krank aussieht. Fahles Hautkolorit und aufgedunsener Aspekt im Sinne eines fraglichen generalisierten Ödems. Er berichtet darüber hinaus über eine starke Müdigkeit, die sich im Lauf des letzten Jahres immer mehr manifestiert hatte. Arbeiten auf dem Bau sei so nicht mehr möglich.

Wir fassen zusammen: Vorher gesunder, nun recht stark beeinträchtigter Mann mit den Leitsymptomen Muskelkrämpfe/-schmerzen und starke Müdigkeit.

Und, habt ihr schon eine Idee?

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Crocodile Attack on ICU

 

Auf Twitter habe ich das Konzept des „ICU-Crocodile“ (Intensiv-Krokodil) kennengelernt. Ich finde, das beschreibt die Arbeit als Notfall- und Intensivmediziner ganz gut: Unerkannt im Wasser treiben, nur Nüstern und Augen oberhalb der Oberfläche, der Rest versteckt….  und im entscheidenden Moment: ZACK – Tubus 😀 ! Da möchte ich heute etwas drüber nachdenken… und am Ende noch ein Fact, wie man schnell einen Alligator von einem Krokodil unterscheiden kann (Blickdiagnose).

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Umweltschutz und Narkosegase in der Anästhesie

 

Habt ihr euch schon mal Gedanken zum Umweltschutz in unserem Fach gemacht? Narkosegase sind Treibhausgase. Isofluran und Enfluran, sowie Halothan gehören in die Gruppe der FCKW (böse!), zumal das Halothan noch giftiges Brom enthält.

Früher hatte man Stoffe aus der Gruppe der FCKW als Kältemittel in quasi jeder Klimaanlage oder Kühlschrank drin, heute sind sie weitestgehend verboten. Sie sind in erheblichem Maße für den Abbau der Ozonschicht in der Stratosphäre verantwortlich, weil sie dort durch UV-Strahlen zersetzt werden und Chlor- und Fluor-Radikale bilden.

Sevofluran und Desfluran sind Fluorkohlenwasserstoffe (FKW)[1], und werden erst in der Ionosphäre zersetzt und tragen ebenfalls, aber zumindest deutlich geringer, zum Treibhauseffekt bei. In jedem Fall aber deutlich ausgeprägter, als das böse CO2 (wobei da natürlich die Masse das Problem ausmacht).

Und als Einwurf: Ihr erinnert euch vielleicht noch an den Beitrag über Norfluran, das als FCKW Ersatz im Berodual-Spray enthalten ist, und Dräger-Gasanalysatoren verwirrt.

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Opiat-Spar-Narkosen – oder gar „-frei“?

 

Zum Thema Opiate und deren Verwendung bei Narkosen, für- und wider, hatte ich schon mal einen Beitrag auf diesem Blog geschrieben: Narkose ohne Opiate?! Im Artikel, auf den ich dort Bezug nehme, wird eine amerikanische Oberärztin für Anästhesie zitiert, die Narkosen nur noch strikt ohne Opiate durchführt. Wegen der Opiat-Krise in Amerika. Zigtausenden Toten im häuslichen Umfeld aufgrund von Opiat-Abhängigkeit und -Missbrauch; ursächlich zu finden aber meiner Meinung nach im Krankenhaus-Entlass-Miss-Management.

Denn viele Patienten werden mit Opiaten als Dauermedikation entlassen. Möglicherweise liegt das an möglichst kurz angestrebten Liegezeiten, dass Patienten mit Opiat-behandeltem Schmerz schon entlassen werden. Bei uns sollte das doch hoffentlich eher die Ausnahme als die Regel sein.

Die Anästhesisten dort sehen die sich formierende Opiat-Krise, die tatsächlich eine ist (mit > 100.000 Toten pro Jahr!), und suchen die Schuld bei sich selbst in der Narkoseführung. Deshalb haben sich in den letzten Jahren zwei Konzepte heraus kristallisiert: Opiat-reduzierte Anästhesien (ORA) und Opiat-freie Anästhesien (OFA) als Maximalversion.

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