EDAIC / DESA – eine sinnvolle Investition?

Das European Diploma in Anesthesia and Intensive Care (EDAIC), das zum Titel „Diplomate of the European Society of Anesthesiology“ (DESA) führt, ist eine ganz schön schwierige Nummer. Man muss viel Geld investieren und hat eine hohe Wahrscheinlichkeit durchzufallen – aber bringt es einem etwas für das weitere (berufliche) Fortkommen?

Schriftlich und mündlich, jeweils „Basic“ und „Clinical Science“

Das EDAIC ist in zwei Prüfungsteile aufgesplittet: Eine schriftliche und eine mündliche Prüfung, die jeweils einen „Basic Science“ und einen „Clinical Science“ Teil haben. Das Prüfungsgebiet erstreckt sich von den anatomischen, chemischen und physikalischen Grundlagen bis hin zu spezieller Anästhesie bei Neugeborenen, in der Kardio- und Neuroanästhesie.

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Parenterale Ernährung auf Intensivstationen

Die Ernährung von Intensivpatienten ist meiner Erfahrung nach stets ein viel diskutiertes Thema. Das Problem beginnt damit, dass man nur mit sehr aufwändigen Verfahren den tatsächlichen Kalorienbedarf des Patienten ermitteln kann. Es handelt sich hierbei um die (in)direkte Kalorimetrie oder die Stickstoffbilanz über die Gewinnung von 24-Stunden-Urin. Und dann ändert sich der Bedarf eines Patienten über den Verlauf seines Aufenthaltes gesehen auch noch ständig.

Der Grundumsatz liegt bei 25-30kcal/kg KG/Tag

Normalerweise geht man von 25-30kcal/kg KG/Tag als Grundumsatz aus. Grundumsatz bedeutet, dass dies die basalen metabolischen Voraussetzungen für eine aerobe Energiegewinnung erfüllt. Bei dieser Betrachtung liegt der Patient regungslos im Bett (körperlich inaktiv) und hat auch keinen metabolischen Stress.

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SBAR Kitteltaschenkarte

Vor ein paar Monaten habe ich angekündigt, die Kitteltaschenkarte für das Intensivstation-SBAR Konzept in meiner Version als Vorschlag zu veröffentlichen.

Das möchte ich heute hiermit nachholen:

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SBAR Kitteltaschenkarte 2.16 MB 86 downloads

Das SBAR Konzept für Intensivstationen in meiner Vorschlagsversion als PDF zum Ausdrucken,...

Ob das praktikabel ist, oder eventuell auch verbesserungswürdig, muss sich herausstellen. Für Rückmeldungen bin ich dankbar und kann selbstverständlich auch Änderungen einbauen, wenn gewünscht.

Zum ursprünglichen Artikel, warum SBAR ein gutes Kommunikationskonzept an kritischen Schnittstellen (Übergaben im Krankenhaus zum Beispiel) ist, habe ich in meinem Beitrag aus dem Januar bereits ausführlich dargestellt und lege ich jedem Interessierten ans Herz.

Tablettenreste im Stuhlgang – ohje!

Aus gegebenem Anlass eine Information, die mir im Studium nicht beigebracht wurde, und die in der Praxis für Verwirrung sorgen kann. Folgende Situation auf der Intensivstation: Die Schwester aus der Pflege berichtet, der Patient scheide Tablettenreste unverdaut mit dem Stuhlgang aus. Ach du Schreck!

Was resorbiert der Patient überhaupt von den ganzen Tabletten, die wir Tag für Tag in ihn hinein werfen? Was ist mit dem Antikoagulationsschutz? Was mit dem Magenschutz und der Frequenzkontrolle. Herrjemine…?!

Hastig werden Medikamente auf ihre intravenöse Darreichungsform gewechselt. Und über allem bleibt die Frage:

„Wie kann man eine Tablette oral aufnehmen, und sie unverdaut am Ende der Magen-Darm-Passage wieder ausscheiden?“ – aber vielmehr sollte man sich fragen: „Ist das überhaupt galenisch möglich?“

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Hydroxyethylstärke Lösung (HAES) nur mit Schulung

Die Koordinationsgruppe für gegenseitige Anerkennung und dezentralisierte Prozeduren (CMDh, Coordination Group for Mutual Recognition and Decentralised Procedures – Human) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat entschieden: HAES darf weiterhin verwendet werden, wenn gewisse Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, und muss nicht vom Markt genommen werden.

Wow.

Die Begründung liest sich etwas allgemein: In manchen Ländern habe HAES einen „gewissen Stellenwert“ in der Therapie, und die Warnungen bezüglich der Anwendung und Kontraindikationen von 2013 haben einen „gewissen Effekt“ gehabt.

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Carotismassage bei Tachykardie (AVRT)

Folgende Situation ist mir vor kurzer Zeit als Notarzt passiert. Nachforderung vom RTW. Der mitt-60jährige Patient war schon im Wagen und bei Eintreffen der Mannschaft schon tachykard, aber die Frequenz von 160/min blieb hoch und der Druck sank kontinuierlich ab. Bei mir dann ein Druck von 80/40mmHg.

Die häufigste Ursache für Tachykardien ist nun mal ein Vorhofflimmern, gerade auch in so einer Frequenz. Aber tatsächlich handelte es sich um eine rhythmische Schmalkomplextachykardie, die hämodynamisch relevant, ergo „instabil“ war.

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Zentralvenöse Katheter – nur mit Ultraschall!

Es gibt ja immer noch Kollegen, die auf die ZVK-Anlage mittels konventioneller Landmarkentechnik setzen. Das dürfen die natürlich tun als Facharzt, und ich bin zugegeben eine andere Generation von Anästhesist, was das angeht. Aber woran liegt das, dass Ultraschall teilweise immer noch kritisch beäugt wird?

Zunächst möchte ich grundsätzlich etwas zu ZVKs erzählen. Indikationen sind:

  • Gabe von hochmolekularen Substanzen und Medikamenten. Z.B. Ernährung oder Kalium, die bei peripherer Gabe zu einer Phlebitis und Zerstörung der Vene führen würden (die Grenze wird ab etwa 800mosmol/L gezogen)
  • Gabe von hochdosierten Katecholaminen (Noradrenalin, Dobutamin, Adrenalin), die ebenfalls die peripheren Venen reizen würden
  • (Messung des ZVD – heutzutage kaum noch verwendet, weil er kaum eine verlässliche Aussage über den Volumenzustand oder andere Vitalgrößen zulässt)
  • (Volumentherapie – aber nur als Shaldon-Katheter mit hoher Durchflussrate, ansonsten sind die normalen ZVKs teils sogar kleiner im Lumen als periphervenöse Zugänge!)
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SOP COPD

Für die Arbeit auf der Intensivstation habe ich aus diversen Quellen eine SOP zum Thema COPD erstellt. Als Grundlage dient die SOP des Uniklinikums Jena, die man ergooglen kann. Darauf, und auf anderen Quellen basierend, habe ich aber auch ein Flussdiagramm erstellt, was den „Erstangriff“ bei Aufnahme eines solchen Patienten auf die Intensivstation betrifft.

Dies möchte ich an dieser Stelle nicht vorenthalten.

Quellen:

Vielleicht auch interessant:

Neue Fuhre mit Podcasts

Die nächsten 5 Podcasts sind fertig gestellt! Aktuell bieten wir bereits 2 1/2 Stunden Informationsmaterial zu Anästhesie-relevanten Themen (für Weiterbildung, Facharztprüfung und das DESA) an.

Wie gewohnt, können die Hörproben über die Homepage unter Download bezogen, oder über die Soundcloud direkt abgespielt werden (s. Player auf der rechten Seite).

Bei Interesse freue ich mich über eine direkte Kontaktaufnahme über das Kontaktformular.

SBAR – Kommunikation im Krankenhaus

Das SBAR Konzept in der Krankenhauskommunikation

Die US-Navy hat bereits in den 1960er Jahren erkannt, dass in kritischen Bereichen eine klare Kommunikation essentiell ist. Bei denen ging es um Prozesse an Bord von U-Booten und damit verbundene Entscheidungen, die vielleicht auch zur Zündung einer Atombombe hätte führen können. Es entstand das SBAR-Konzept:

  • Situation: Was ist das Grundproblem? Wo stehen wir?
  • Background: Was ist noch wichtig bei diesem Patienten zu wissen?
  • Assessment: (Untersuchungs-)Befunde, Drainagen, Medikamente?
  • Recommendation: Wie soll es weitergehen? Was gibt es noch zu tun.
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