Hypothermie, Wärme, Effekte, Rundumschlag

 

Eine Unterkühlung wirkt per se immer über eine Reduktion von chemischen und zellulären Prozessen. Das betrifft die Zellfunktionen und auch die chemischen Reaktionen. Normalerweise ist alles in unserem Körper auf eine Standardtemperatur von um die 37°C „genormt“. Abweichungen nach unten verlangsamen den Stoffwechsel, Abweichungen nach oben beschleunigen ihn.

Aber was gehört da jetzt alles dazu?

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Die echten Pocken – Variola major

 

Da gerade die Affenpocken-Manie umgeht („Facharztprüfung oder doch lieber Affenpocken vortäuschen??“), möchte ich mich zunächst mit den echten Pocken beschäftigen. Das ist letztlich eine Erfolgsgeschichte der modernen Medizin, aus der man sicher auch noch das ein oder andere lernen kann.

Einige Faktoren waren aber zum Beispiel im Vergleich zu Covid-19 anders, was die Eradikation deutlich vereinfachte. Dazu aber später mehr.

Pocken, oder „Blattern“ werden schon seit der Antike berichtet (in Asien um das 1. Jahrhundert n. Chr., in Europa und Afrika seit dem 7. Jahrhundert). Sie werden vom Pockenvirus Variola major oder Orthopox variolae) ausgelöst. Es gibt auch andere Virusstränge, über die weiter unten berichtet wird.

Es ist ein DNA-Virus aus der Klasse der Poxviridae. Es ist recht komplex aufgebaut mit einer Außenhülle, zwei Lateralkörpern und einem hantelförmigen Kern mit einer einzelnen doppelsträngigen DNA.

cdc.gov/smallpox

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Pocken Flowchart 3.71 MB 69 downloads

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Simpler Gefäßzugang: „Easy IJ“

 

Mit der – meiner Meinung nach völlig überfälligen – Ankunft von Ultraschall auf unserem NEF habe ich mich mit potentiellen Einsatzgebieten befasst. POCUS ist bekanntermaßen super: Es ist nicht-invasiv, günstig und nun sogar bei uns präklinisch verfügbar. Aber das wisst ihr vermutlich alles schon.

Kurzer Tipp am Rande: Auch schwierige periphere Venen und Arterien können dargestellt werden. Das ist letztlich nur eine Frage der Übung. Punktieren geht meistens, vorschieben der Kanüle leider nicht immer).

Da ich bisher nur begrenzte Erfahrung im Notfall-Organschall habe, konzentriere ich mich aktuell vor allem auf Gefäßpunktionen.

Schwierige Punktionsverhältnisse kennen wir alle: Mini-Venen, periphere Ödeme, Patienten unter Chemotherapie oder i.v.-Drogenabusus in der Vorgeschichte. Im Rettungsdienst kommen weitere Probleme hinzu wie schlechte Lichtbedigungen, unmögliche Arbeitspositionen, zeitlicher Druck.

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Dosieraerosole und Narkosegase

 

Eine Frage hatte mich über das Kontaktformular erreicht, die einfach zu schön war, um nicht daraus einen Artikel zu machen. Zur Erörterung der Frage schlagen wir den Bogen von der Chemie über das physikalische Messprinzip hin zur konkreten Lösung (EDAIC Style). Schöne Grüße an dieser Stelle nach Würzburg und nochmals Danke für die Frage 🙂 :

Wenn man Berodual in einen Tubus bei laufender Narkose sprüht, zeigt das Narkosegerät für einen kurzen Moment Halothan an. Wie ist das möglich?

Unstrittigerweise wird man wohl kaum heutzutage (im deutschsprachigen Raum) Halothan verwenden. Aber irgendetwas verwirrt da doch den Narkomaten… oder ist das ein Gespenst? Apropos Gespenst: Da hatte ich auch einen Artikel zu geschrieben (Tablettenreste im Stuhlgang).

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Was ist eigentlich: NAVA?

 

Aufgrund einer Nachfrage auf Youtube beschäftige ich mich im aktuellen Artikel mit dem Neurally Adjusted Ventilation Assist, kurz NAVA.

Es handelt sich um einen Beatmungsmodus, der mit den Atemanstrengungen des Patienten synchronisiert wird. Das ist grundsätzlich immer sinnvoll aus einer Vielzahl von Gründen. Überdruckbeatmung über ein Airway Device ist potentiell immer schädlich für die Lunge und sollte so kurz wie möglich gehalten werden.

Traumata können betreffen:

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eGENA – Cognitive Aid in der Anästhesie

 

Da ich mitten in der Einführung der eGENA-App der DGAI bin, wollte ich euch das Tool an dieser Stelle einmal vorstellen und auch Werbung dafür machen: Es ist sinnvoll, gut gemacht und völlig kostenlos!

Dabei handelt es sich um eine sogenannte Cognitive Aid in Form einer App mit Einsatz in Anästhesie-bezogenen Notfallsituationen. In anderen Ländern gibt es schon länger ähnliche Ansätze. Zum Beispiel hat mir vor einiger Zeit schon mal der Kollege von toxdocs.de ein „Notfallhandbuch“ gezeigt, das Anästhesie-Assistenten in Australien ausgehändigt wird. Ein anderes Cognitive Aid sind die allgegenwärtigen Poster an der Wand mit Flowcharts, die vermutlich noch nie jemand so richtig zur Kenntnis genommen hat, geschweige denn im Notfall… (und wenn sie länger hängen, werden sie auch noch vom aktuellen Wissensstand überholt – gefährlich!).

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Ambroxol – ein besseres Placebo?

 

Auf meiner ersten Intensivstation wurde noch „intensiv“ Sekretolyse bzw. Mukolyse mittels NAC und Ambroxol betrieben. Auch noch nach einem festen Zeitschema: NAC sollte den Schleim lösen, Ambroxol ihn dann aus dem Patienten befördern. Bloß nicht andersherum oder die Stunde Pause dazwischen nicht einhalten! (Gott bewahre ;P )

Relativ schnell hat sich das dann aber gelegt und lief eher unter „kann man dran glauben, wenn man möchte“ (im Sinne eines Placebo für Patienten und das Personal).

Da ich das aber mal auf eine fundiertere Basis stellen möchte, hab ich mich ein wenig mit der Literatur beschäftigt und möchte euch hier teilhaben lassen.

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Heparin – Antikoagulation auf Intensivstation

 

Mein persönliches Waterloo sind jedes Mal die Heparin-Perfusoren: Erreiche eine definierte Ziel-PTT, und wenn nicht, kontrolliere, justiere, kontrolliere erneut. Und das klappt – – manchmal . Manchmal laufen aber auch Perfusoren auf 10.000IE in 24 Stunden. Und manchmal wird auf niedermolekulare Heparine umgeschwenkt, weil die Erreichung und das Halten eines gewünschten PTT-Niveaus einfach schwierig sein kann.

Es gibt zwar Schemata, zum Beispiel bei den Pin-Up-Docs, allerdings ist die individuelle Responsivität der Patienten auf den „Perfusor des Schreckens“ sehr unterschiedlich und dementsprechend immer noch – für mein Händchen – schwierig zu steuern. Wir wollen ja einen Zielbereich haben, und nicht ständig Unter- oder Überdosierungen (Gefahren: Thrombose versus Blutung).

Eigentlich wollte ich deshalb für diesen Artikel nach Kochrezepten recherchieren, wie man die Ziel-PTTs besser erreicht, oder was man bei Heparin-Resistenz machen kann. Dabei bin ich aber auf ein ganz anderes Problem mit der PTT-Bestimmung im Labor gestoßen, was die „Ziel-PTTs“ an sich in Frage stellt. Dazu aber im Lauf des Artikels mehr. Und ein Kochrezept gibt es natürlich auch als Grafik, also bleibt dran.

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