Feuer und Explosionen im OP!

Wie versprochen, kommt heute der zweite Teil zum Thema katastrophale Gefahren im OP. Dass es wirklich zu einem Brand oder einer Explosion kommt, ist heute zum Glück relativ selten geworden. Nichtsdestotrotz wird für Amerika angenommen, dass bis zu 650 Fälle pro Jahr dort eintreten, obwohl es sich eigentlich um sog. „never events“ handelt: keiner hält sie für möglich, und sie dürfen nicht passieren — tun sie aber trotzdem.

Habt ihr euch schon mal gefragt, warum man im OP diese lustigen Gummischuhe tragen muss? Außerdem warum der Boden so eine merkwürdige Gummi-artige Konsistenz hat, und viele Geräte extra mit einem Erdungskabel (in der Regel grün-gelb geringelt) eingesteckt werden müssen. Wozu der ganze Aufriss?

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Strom, Mikro- und Makroschock im OP!

 

Strom ist allgegenwärtig, auch und besonders in den Funktionsbereichen wie der Intensivstation oder dem OP. Das Potential für fatale Komplikationen ist vorhanden, aber dank unserer Freunde aus der Elektrotechnik zum Glück heutzutage gering. Nichtsdestotrotz bleibt das Problem mit Kriech- und Fehlerströmen, die im schlechtesten Fall zur Exekutierung des Patienten per Stromschlag führen können.

Explosionen wegen Funkenschlags im OP ist ein anderer Bereich, den ich in einem Folgeartikel behandeln werden. Auch sehr spektakulär.

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Anästhesieverfahren von einst: Neuroleptanalgesie/-anästhesie

 

Den Facharzt für Anästhesiologie gibt es erst seit 1953. Vorher gab es zwar auch „Anästhesie“, aber die strukturierte Ausbildung und Prüfung vor Ärztekammern gibt es tatsächlich noch nicht einmal hundert Jahre. Wenn man sich die historische Entwicklung ansieht, stellt man fest, dass in wirklich sehr kurzer Zeit sehr viel passiert ist.

Von der Entdeckung der ersten Narkotika wie Lachgas und Chloroform, oder von der Zungenzange (zum Offenhalten des Atemwegs; sieht aus wie eine Würstchenzange) über Guedel-Tuben (1933) bis hin zu Videolaryngoskopie und so weiter und so fort. Ein schönes weiteres Beispiel ist Thiopental mit Markteinführung 1935, und heute noch in Gebrauch. Ein schönes, gutes und erforschtes Medikament. Es geht auch heutzutage ohne Propofol, wenn man will. Aber nur so nebenbei.

Die Chirurgie gibt es hingegen schon seit tausenden von Jahren – selbst Neandertaler haben nachweislich schon trepaniert (warum auch immer), das kann man im Museum erfahren. Auch auf Hieroglyphen-Tafeln in Luxor werden chirurgische Werkzeuge dargestellt.

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Höhenkrankheit (schwindelerregend!)

 

Nachdem ich schon einiges zur Lungenphysiologie geschrieben habe (hier und hier), ist die logische Erweiterung die Übertragung auf anderes Terrain. In diesem Fall bewegen wir uns weit über der Baumwipfelgrenze auf den Bergen. Ich rede von Höhen über 2500 Metern und höher. Mount Everest Style.

Habt ihr euch je gefragt, warum es so eine große Leistung von Reinhold Messner war, den Everest ohne Sauerstoff zu besteigen? Vermutlich nach meinen letzten Beiträgen schon nicht mehr so sehr. Aber dass die Luft nach oben hin in der Atmosphäre immer dünner wird ist ja klar 😉

Man könnte natürlich auch sagen, dass der Sauerstoffpartialdruck abnimmt, na gut. Auf Normal-Null (Meeresniveau) beträgt dieser 760mmHg; ab 2500m wird es langsam unangenehm für den Menschen: dort beträgt er nur noch 565mmHg; und auf 5500m hat er sich halbiert auf 380mmHg. Je höher der Mensch aufsteigt, desto mehr wird er gestresst. Das betrifft nicht nur die reine Hypoxie durch den niedrigen Sauerstoffdruck.

Die 2500m sind bei der Entstehung von Hirn- und Lungenödem eine wichtige Grenze im Lehrbuch, ab der mit diesen Krankheitsbildern gerechnet werden muss.

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Was ist eigentlich … Medizininformatik?

Das „papierlose Krankenhaus“ ist ein geflügelter Begriff. Genauso wie das „papierlose Büro“ oder die „papierlose Anwaltskanzlei“. Vielfach ist das leider nur eine leere Worthülse, die in der Praxis auf sehr viel Papier, Insellösungen und Doppeldokumentation stößt.

Da ich mich mittlerweile auch beruflich um das Thema Digitalisierung in unserem Krankenhaus kümmern darf, möchte ich euch einen Einblick in diesen spannenden Querschnittsbereich geben.

Häufig werde ich gefragt: Was ist das überhaupt? Was machst du den ganzen Tag? Und, das Gefühl drängt sich mir manchmal auf, die Leute nehmen an, ich würde da nur rumsitzen und nichts Produktives tun.

Das Gegenteil ist aber der Fall! Mit dem richtigen Skillset kann man wirklich viel für die klassischen Angestellten im Krankenhaus erreichen.

Das Grundproblem ist ja folgendes: Es gibt den medizinischen Arm, dazu zählen Pflegepersonal und Ärzte. Die kümmern sich um die Medizin und dafür braucht man im Zweifel auch sehr wenig Computer-Unterstützung (zum Glück). Und dann gibt es die EDV/IT-Abteilung, bestehend aus Technikern. Die kümmern sich um die Netzwerke und Architektur, die Kommunikation zwischen den System etc. Weiterlesen

Weihnachten – Stay Safe!

Endlich ist Weihnachten da. Ich wünsche euch von Herzen alles Gute, bleibt gesund, und bis 2021!

PS: Die Gewinner des Gewinnspiels wurden benachrichtigt. Kommentare und Themenwünsche dürft ihr aber trotzdem gerne weiterhin einreichen. Wenn ihr auch mal einen Gastbeitrag schreiben möchtet, seid ihr dazu ebenfalls herzlich eingeladen.

Schöne Grüße,

– Roman

 

Weihnachtscorona; Heike C. Ewert

Hyponatriämie – Symptome und Therapie

Die Hyponatriämie ist eine sehr häufige Abnormität, die zumindest milde bei bis zu 30% der hospitalisierten Patienten gefunden wird. Milde und ohne Symptome muss sie meist gar nicht besonders – vielleicht mit Ausnahme von „normaler“ Infusionstherapie mit balancierten Vollelektrolytlösungen – behandelt werden. Kommen aber Symptome hinzu, wird es spannend. Eine Überkorrektur ist mindestens genauso schädlich wie der reine Natrium-Mangel.

Aber lasst uns das Feld von vorne aufrollen.

Durch einen wie auch immer gearteten Mangel an Natrium fehlt im Blut das wichtigste osmotisch wirkende Ion. Es kommt zu einer Flüssigkeitsverschiebung nach intrazellulär und die Zellen schwellen an. Insbesondere im Gehirn ist das ein großes Problem.

Übrigens kann man das auch künstlich herbeiführen, indem man größere Mengen Glukose 5%  zuführt. Man nennt diese Infusion gemeinhin „freies Wasser“, weil es selbst keine osmotisch wirksamen Teilchen enthält. Insta-Hirnödem sozusagen. Balancierte Volleketrolytlösungen sind meist die bessere Wahl (übrigens auch bei der Hypernatriämie, bei der meist „einfach“ nur ein Volumenmangel vorliegt, der therapiert werden muss; und nicht das Zuviel an Natrium).

Hinweis: In diesem Artikel möchte ich mein Augenmerk insbesondere auf die Therapie der hypotonen Hyponatriämie legen, die die häufigst anzutreffende Ursache im klinischen Alltag ist. Andere Ursachen würden die Beitragslänge für mein Blog sprengen und könnten in einem Folgeartikel behandelt werden (so zum Beispiel das SIADH und Konsorten).

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AD – Weihnachtsgeschichte

 

Bleibt sicher, gebt nicht auf!

Weihnachtscorona; Heike C. Ewert