Covid-19 Medikamente: Ausblick auf Molnupiravir und Paxlovid

 

Um abseits der üblichen allgemeinen Anästhesie-Themen etwas mehr Aktualität zu bringen, werde ich in diesem Artikel die aktuell verfügbaren Informationen zu den kommenden oralen Therapeutika für Covid-19 zusammenfassen: Molnupiravir von MSD (bzw. Merck) und Paxlovid von Pfizer.

Beide Medikamente werden uns wohl demnächst in der klinischen Praxis begegnen, sodass eine frühe Auseinandersetzung damit gerechtfertigt erscheint. Die zugrunde liegenden Studien sind in beiden Fällen allerdings noch nicht abgeschlossen, sodass nur die Informationen zur Verfügung stehen, die die Hersteller uns mitteilen möchten. Wie das sich dann nachher in der Praxis mit deren (Neben)wirkungsprofil verhält, werden wir erst noch herausfinden.

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Narkoserisiko – RCRI, Troponin, BNP und Konsorten

 

Heute geht es um die präoperative Risikostratifizierung, die schon seit langer Zeit (meines Wissens nach seit den Siebzigern), untersucht wird. Insbesondere die sich anschließende postoperative 30-Tage Morbidität und Mortalität werden dabei untersucht. Von besonderem Interesse ist an dieser Stelle immer das Herz mit seinen Infarkten, Ischämien, Insuffizienzen etc.

Bei Durchsicht der Literatur wird man schnell feststellen, dass die üblichen Instrumente zur Risikostratifizierung nur die Spitze des Eisbergs erfassen können. Was man dann aus einem „erhöhten Narkoserisiko“ macht, ist eine andere Frage. Da werde ich mir am Ende des Artikels Gedanken zu machen.

Zum Revised Cardiac Risk Index hatte ich auch schon mal auf meinem Youtube-Kanal einen Beitrag veröffentlicht. Wenn ihr möchtet, könnt ihr da ja auch mal vorbei schauen:

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Anästhesie bei Elektrokrampftherapie

 

Heute ein Fall, mit dem sich die meisten Anästhesisten in Deutschland vermutlich nie werden auseinander setzen müssen: Kurznarkosen für Elektrokrampftherapien, kurz EKT.

Im ersten Moment klingt es wie in einem schlechten Film: Dem Patienten werden Elektroden an die Schläfen geklebt. Sodann erfolgt die Auslösung eines Grand Mal-Anfalls über die Elektrostimulation des Gehirns (man könnte sagen: Das Gehirn wird geschockt!) Immerhin unter Narkose. Laut GBA wird diese Methode hierzulande bei etwa 1000 Patienten im Jahr angewandt. Verrückt.

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Spina bifida occulta und Spinalanästhesie

 

In diesem Beitrag widme ich mich einem Themenwunsch, der auf meinem Youtube-Kanal geäußert wurde. Was ist eigentlich mit Spinalanästhesien bei (Z.n.) Spina bifida? Ist das sicher? Muss man etwas beachten?

In der Literatur ist das Thema – ich denke verständlicherweise – recht wenig vertreten. Das Ding ist ja folgendes: Warum sollte ich in eine Stelle stechen, bei der bekannterweise „etwas“ pathologisch war und sogar operiert wurde? Warum etwaige neurologische Komplikationen riskieren, wenn ich völlig sicher eine Vollnarkose durchführen kann?

Wenn man den lokalen Befund niemals angefasst hat, kann man auch nicht für neurologische Komplikationen der Grunderkrankung verantwortlich sein (sic!)

Und ich bin der Überzeugung, dass das Standard-Prozedere sein sollte. Wie wir sehen werden, ist „Spina bifida“ aber komplexer, als man das so aus den Lehrbüchern an der Uni kennt. Es kann sein, dass man auf einmal doch unerwartet direkt ins Rückenmark sticht und/oder injiziert. Was bei peripheren Nerven schon schlecht ist, ist beim Rückenmark fatal… Also warum so etwas riskieren?

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Diabetische Ketoazidose auf der Intensivstation

 

Korrektur 03.10.2021 bei Fehler im Flowchart: Reduktion des Insulin auf 0,05IE / kg / h!

Da wir in letzter Zeit gehäuft Fälle von diabetischer Ketoazidose auf unserer Intensivstation hatten, folgt hier quasi tagesaktuell die Aufarbeitung des Themas.

Unmittelbare Ursache ist immer ein akuter relativer oder absoluter Mangel an Insulin, der zu einer schweren – auch lebensbedrohlichen – Stoffwechselentgleisung und kardiovaskulären Instabilitäten führt.

Coma diabeticum wird die sich entwickelnde Bewusstseinseinschränkung genannt, aber nur etwa 10% der Patienten sind tatsächlich nach GCS- und neurologischen Scores wirklich bewusstlos. Eher sind sie bewusstseinseingeschränkt. Dennoch muss hier natürlich zielstrebig gehandelt werden.

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Simulation, Training, KI: spannende Beispiele für IT-Unterstützung in der Medizin

 

Von Berufs wegen bewege ich mich auch ein wenig abseits der primären Patientenversorgung (50% IT, eine sehr coole Kombination mit Anästhesie). In diesem Artikel möchte ich euch ein paar spannende Projekte vorstellen, die mir über den Weg gelaufen sind.

Jeder gute Artikel über Medizininformatik beginnt mit einem Lacher wegen der neuesten Verschiebungen der Telematik-Infrastruktur. In Kürze: Im Prinzip seit 2002 arbeiten sehr viele Institutionen an dem Konzept (und das ist wohl auch das Hauptproblem). Weitere Infos hier: https://digitales-gesundheitswesen.de/chronik/

Dass das immer noch nicht angekommen ist, ist traurig. Zum Thema elektronischer Heilberufsausweis hatte ich auch schon mal einen Artikel geschrieben. Seitdem hat sich natürlich nichts Substantielles geändert ;P

Nun aber zu wirklich spannenden Themen. Wir beginnen mit künstlicher Intelligenz, KI:

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Hulk am Arbeitsplatz: Pilotballon abreißen zum Entblocken ?!

 

Man ist ja immer wieder überrascht, was für Marotten sich so im Alltag einbürgern. Manche meiner Kollegen scheinen sich besonders heroisch zu fühlen, wenn sie wie Hulk in der Extubationsphase den Pilotballon des Tubus abreißen, um den Patienten sogleich vom Tubus zu „befreien“. Huaargh!

Lehrbücher lehren das aber nicht. Im Gegenteil. In „Die Anästhesiologie“ (Rossaint, Werner, Zwißler) wird davon ausdrücklich abgeraten: „Abreißen des Blockventils bewirkt nur ein unvollständiges Entleeren des Cuffs“. Da fehlt aber leider die Fußnote oder mögliche Folgen, deshalb ist es wohl nicht so wichtig. Oder etwa doch? Tatsächlich etwas komplizierter, als man landläufig denkt, aber mehr dazu an dieser Stelle hier 🙂

Wie kommt man überhaupt auf so eine gewalttätige, Testosteron-geschwängerte Methode? Man könnte auch einfach eine Spritze nehmen, und die Luft aus dem Block herausholen, wie sie da herein gekommen ist. Aber das kann schon mal viel verlangt sein. Offensichtlich. Ihr merkt, ich ärgere mich ein wenig.

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Lokalanästhetika Resistenz??

 

Immer mal wieder wird von einer Lokalanästhetika-Resistenz berichtet. Die Beweisführung dafür gestaltet sich aber im klinischen Alltag recht schwierig. Immer ist es möglich – und sicher auch wahrscheinlicher – , dass der Anwender bzw. Anästhesist leider die Betäubung nicht erfolgreich anlegen konnte. Also eher ein technisches Ding: Den Nerven nicht richtig erwischt mit Stimulator oder Ultraschall. Oder eben bei rückenmarknahen Verfahren eine Nadeldislokationen während der Injektion und ähnlich nervige Dinge. Ich hatte auch schon mal eine völlig normale Spinalen-Anlage, die aber total verzögert gewirkt hat (Effekt B 20min nach Spritzen): eine erneute Punktion mit einer anderen LA-Charge brachte dann das gewünschte Ergebnis!

In manchen Fällen scheint es aber dennoch eine echte teilweise oder sogar völlige Resistenz gegenüber Lokalanästhetika zu geben. Die Studienlage dafür ist recht dünn, weil es sich um ein ausgesprochen seltenes Phänomen handelt. Viele Autoren scheinen nicht so recht daran zu glauben, wenn man mal auf Pubmed nach „Local anesthetic resistance“ sucht. Meist wird die „resistance“ in Anführungszeichen gesetzt, das sagt wohl schon alles.

Wie kommt das? Naja, wenn man sich den Wirkmodus der Lokalanästhetika noch einmal vergegenwärtigt, kann man das schon im ersten Moment nachvollziehen.

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