„Happy Hypoxia“ – Lachend in den Abgrund

 

Während der Covid-Pandemie ist es uns Primärversorgern sicher allen schon passiert. Aufnahme eines Patienten auf die Intensivstation, wegen „schlechten pO2“s. Patient wird vorgefahren, und es geht ihm subjektiv super. „Haben Sie Luftnot?“ – „Nö.“, und daddelt mit dem Handy.

Klinisch einzig zu sehen ist eine deutlich erhöhte Atemfrequenz mit 20-30/min, ansonsten nichts. Sobald aber das Pulsoxymeter angeschraubt wird, folgt der Schreck: Sauerstoffsättigungen jenseits von Gut und Böse, durchaus auch im Bereich bis 50%, und der Patient merkt davon nichts. Dasselbe Spiel bei der ersten Blutgasanalyse: pO2-Werte unter 60mmHg waren keine Seltenheit.

Völlig verrückt. Eigentlich sollte so etwas doch massive Luftnot verursachen?

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Das Antabus Syndrom

 

Oder: wie schafft es jemand 2 L Wodka zu trinken, trotz Antabus-Dauermedikation? Warum tut man so etwas? Und dann fragte er sich, warum es ihm schlecht ging. Und dann landete er der Intensivstation. Dann wunderten wir uns. Denn ein echtes Antabus-Syndrom hatten wir noch nie in der freien Wildbahn gesehen.

So viel zur Fallvignette.

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Weihnachten 2022

Ich wünsche euch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch „nachher“.

Die Gewinner werden im Lauf des Tages persönlich benachrichtigt, damit die Abzeichen ihren Weg dorthin noch pünktlich zu Weihnachten finden 🙂

Feiert schön, bleibt stabil, bis nächstes Jahr!

(denkt an den Santa Tracker, ich liebe den 😀 )

Weihnachten am Infusionsständer; Heike C. Ewert

Jahresrückblick ’22 mit Gewinnspiel

 

Schon wieder ein Jahr vorbei. Joe Biden hat die Pandemie für beendet erklärt, obwohl der böse Corona noch zirkuliert. Hoffentlich seid ihr alle heil davon gekommen und lest fleißig weiter mein Blog, hört meine Podcasts etc.

Tatsächlich habe ich es wieder einmal geschafft, ein Jahr lang Beiträge regelmäßig zu verfassen, zu vertonen und zu publizieren, obwohl ich das alles auf eigene Faust mache. Ich versuche die Qualität der Beiträge so hoch wie möglich zu halten, aber wenn sich irgendwo ein Fehler einschleicht habe ich auch kein Problem, schnell zu korrigieren. Das ist dieses Jahr auch einige wenige Male passiert. Ich danke den aufmerksamen Lesern dafür an dieser Stelle.

Die Zugriffszahlen entwickeln sich kontinuierlich weiter. Auf dem Blog habe ich nun im Schnitt 8000 Aufrufe pro Monat und die Podcasts-Abonennten steigen immer weiter: Über die Plattformen habe ich etwa 1500 versammelt. Beeindruckend 🙂 !

Wie letztes Mal auch hier noch mal der Link zu meinen 3 persönlichen Favoritenbeiträgen dieses Jahr:

  1. Larynxmasken – Spezialanwendungen
  2. Myasthenia gravis für Anästhesisten
  3. Umweltschutz und Narkosegase

Da das alles viel Arbeit ist, ist die Videoproduktion auf Youtube ins Stocken geraten. Allerdings gibt es da demnächst vielleicht eine Kooperation. Übrigens genauso wie bei den Podcasts („Man lernt nie aus„).

Ein wenig ist die Youtube-Auszeit auch meiner Unkreativität zu verdanken. Ich wollte dort ja in kurzen Videos Themen kurz erklären. Das sind mittlerweile eine ganze Menge geworden, und jetzt bin ich langsam „trocken“.

Und da kommen wir zum diesjährigen Gewinnspiel:

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Jetzt wird’s fishy – aquatische Allergien

 

In Auflistungen von Allergenen, die Anaphylaxien auslösen, stehen meist Nüsse, Sojabohnen und Krustentiere auf den ersten Plätzen.

In diesem Beitrag geht es zum einen um allergische Reaktionen, deren Pathophysiologie und Therapie im Allgemeinen und Fisch- und Krustentier-Allergien im Speziellen, sowie ein paar spezielle, spannende Differentialdiagnosen.

Die lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen sind meist vom Soforttyp (Typ 1) und IgE mediiert. Nach Kontakt des Körpers kommt es zu einer inadäquaten immunogenen Überreaktion, die v.a. eine unkontrollierte Histamin-Freisetzung zur Folge hat (über eine Reaktionskette von Antigen-präsentierenden-Zellen APC, T- und B-Zellen).

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Ketamin – unter Wasser und sonstwo

 

Zuletzt habe ich einen wirklich interessanten Film gesehen und darauf möchte ich einen Beitrag zum Thema Ketamin aufbauen. Es ging in „Dreizehn Leben“ um die Rettung einer thailändischen Fußballmannschaft aus der Tham-Luang Höhle, die bei überraschend einsetzenden Monsunfällen unter Wasser geraten war und die Jugendlichen und deren Trainer eingesperrt hatte. Sie mussten dort insgesamt bis zu 18 Tage ausharren (23.06.-10.07.2018), bis sie spektakulär durch einen internationalen Kraftakt gerettet werden konnten.

Dafür mussten mehrere Tauchgänge in Folge in Dunkelheit, bei reißender Strömung und im Höhlensetting durchgeführt werden. Diese Bedingungen sind allein schon für erfahrene Taucher sehr herausfordernd. Aber mit „Passagieren“ quasi unmöglich. Dass man mit guter Logistik, Planung und auch entsprechendem Medikamentenmanagement so eine Situation meistern kann, zeigt diese Operation. Und Glück muss man natürlich auch haben.

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euDKA – Ketoazidose unter SGLT2i

 

Manchmal kommt man zum Nachtdienst auf die Intensivstation, bekommt Patienten vorgestellt, und stolpert dann über Dinge, die dem Tagdienst irgendwie durch die Lappen gegangen sind. Einen solchen Fall möchte ich heute mit euch aufbauen. Und nebenbei könnte es sein, dass das zugrunde liegende Krankheitsbild in Zukunft häufiger zu sehen ist, auch wenn es für mich eher ein Kolibri war. Nachdem ich mal auf die Lösung gekommen war.

Situation: mitt-50-jähriger Alkohol-kranker Patient mit Leberinsuffizienz und pankreoprivem Diabetes, sowie Panzytopenie (alkohol-toxische Knochenmarkschädigung?) wurde aufgenommen in einer fulminanten Azidose: pH 6,885 – Base Excess -26,7 – Bikarbonat (SBC) 5,7!

Gehen wir doch mal der Reihe nach durch. Wir haben Azidose, offensichtlich. Da das pCO2 normwertig mit 31,5 und das Bikarbonat massiv erniedrigt war, handelte es sich offensichtlich um eine nicht-kompensierte metabolische Azidose. Ein weiterer Hinweis darauf war der deutlich negative Base Excess.

Erstaunlicherweise war das Kalium normwertig trotz der krassen Azidose. Wenigstens ein Problem weniger, um das wir uns kümmern mussten.

Der Patient war etwas somnolent und ihm war übel. Ansonsten entwickelte er relativ schnell nach Aufnahme eine Kussmaul-Atmung, mit der er es sogar auf einen pH von bis zu 7,2 brachte, bei CO2 von 11 😉 Aber das ist auf Dauer ja auch keine Lösung. Das Bikarbonat war einfach viel zu niedrig.

Aber was jetzt tun?

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Crocodile strikes again – Krokodilbisse

 

Der letzte Beitrag zu Krokodilen handelte von der speziellen Unterart des Intensiv-Krokodils und drehte sich im Grunde um CRM und Resilienz. Dennoch gilt wie immer:

  • Sei ein Krokodil! (Aber nicht die Kollegen beißen!)
  • Und auch: Sei ein Ultraschall-Ninja!

Wie dem auch sei, ich schweife ab.

Heute wollen wir uns den Krokodilen widmen (diesmal den echten), deren (Angriffs-)Verhalten und der Versorgung von entsprechenden Wunden und so weiter.

 

Zur Gruppe der Crocodylia gehören die echten Krokodile, Crocodylidae, und die Alligatoren und Kaimane, Alligatoridae. Außerdem die Gavialidae oder Gaviale, deren einzig lebender Vertreter heute der in Nepal und Nordindien lebende Gangesgavial ist. 

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