Narkose ohne Opiate – wegen Abhängigkeitsgefahr?!


Im Folgenden beziehe ich mich auf diesen Artikel, der auf der Seite kevinmd.com erschienen ist und eine amerikanische Anästhesistin mit Namen Karen S. Sibert. Sie beschreibt, warum sie keine Opiate, und im speziellen kein Fentanyl mehr während Narkosen verabreicht.

Im Kern geht es ihr um das Abhängigkeitspotential, das die Opiate aufweisen. Gerade Fentanyl ist in Amerika sehr einfach zu bekommen beziehungsweise einfach verschrieben zu bekommen von den Hausärzten. Deswegen hat sich dort eine regelrechte Epidemie an Opiat-Abhängigkeiten entwickelt.

Opiate sind in Amerika sehr leicht zugänglich

Natürlich ist das ein Problem, das dringend angegangen werden muss. Allerdings betrifft das doch eher die sehr lasche Verschreibungspolitik und Reglementierungen, wie mit diesem Medikament auf einer Public Health Ebene umgegangen wird.

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Intranasale Applikation – Nachtrag


Einen Nachtrag habe ich noch zu meinem Beitrag zur intranasalen Applikation von Midazolam per MAD. In der Zwischenzeit habe ich mich genauer mit dem Thema beschäftigt. Ich möchte noch einmal genauer auf die rechtlichen Grundlagen und Fallstricke eingehen.

Auf der Website des Bundesverbands Medizintechnologie e.V. gibt es einen Leitfaden zum „Off Label Use“ von Medizinprodukten, den ich mir aus gegebenem Anlass bestellt habe.

Medizinprodukte haben eine „Zweckbestimmung“

Bei Medizinprodukten gibt es eigentlich keinen „Off Label Use“ im rechtlichen Sinne. Alternativ wird von einer „Zweckbestimmung“ im Rahmen des Zulassungsverfahrens gesprochen. Wenn sich Anwender nicht an diese Zweckbestimmung halten, stellen sich durchaus auch haftungsrechtliche Fragen für den Hersteller.

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Laryngospasmus unter der Larynxmaske

Übliche Probleme bei der Platzierung von Larynxmasken sind sicher allseits bekannt: Umschlagen der Spitze und folglich Undichtigkeit; alternativ, dass die LAMA nicht „um die Ecke“ in den Larynx zu bugsieren geht (Tipp: Meist geht das besser, wenn ein Helfer den Esmarch-Handgriff durchführt).

Zu der Beziehung von Cuffdruck und Dichtigkeit hatte ich schon mal einen Beitrag geschrieben: https://anae-doc.de/larynxmaske-cuffdruck/

Die erste Hürde ist nach der Einleitung genommen, wenn die Platzierung gelungen ist. Dann ist aber erst mal Warten angesagt, bis die schneidenden Kollegen abgewaschen haben (den Patienten und sich). Bis dahin ist meist die erste Dosis Analgetikum schon wieder weg, sodass es häufig zu diesem Zeitpunkt noch einmal Probleme geben kann.

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Midazolam intranasal per MAD bei epileptischem Anfall – obsolet?!


Copyright Teleflex

In der Zeitschrift „Der Notarzt“ ist in Ausgabe 3/2019 ein äußerst interessanter Artikel erschienen zum Thema „Midazolamapplikation im akuten epileptischen Anfall des Kindes„. Die Autoren beleuchten dort die verschiedenen Applikationswege, die im Notfall zur Verfügung stehen.

Seit Jahren etabliert ist der rektale Weg über Diazepam-Rektiolen (wenn auch schwierig in der Praxis durchzuführen und mit Akzeptanzproblemen behaftet). Daneben haben neuere Benzodiazepine das Diazepam in der täglichen Routine abgelöst: Midazolam und auch Lorazepam. Diazepam ist eben seit 1963 erhältlich und somit recht alt (aber erprobt).

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Aortenklappenstenose in der Anästhesie

Die Aortenklappenstenose ist ein Herzvitium, das für die Narkoseführung und auf Intensivstation sehr relevant sein kann. Durch die Stenose der Klappe kommt es zu pathophysiologischen Veränderungen, die immer wieder gerne in Prüfungen für den Facharzt oder das EDAIC abgefragt werden.

Es passt alles logisch zusammen, das macht es zu einem guten Prüfungsthema. Andere Klappenvitien können ebenfalls mit ein paar anatomisch-physiologischen Kenntnissen sehr gut hergeleitet werden, wenn sie abgefragt werden.

Kurzum kommt es bei einer verengten Aortenklappe zum „Blutstau“: Der linke Ventrikel wird Druck-belastet, weil er gegen die kleine Öffnungsfläche mit erhöhter Kraft pumpen muss.

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Atemantrieb und COPD

Einer Sache begegnet man in der Praxis immer wieder: Der Atemantrieb eines COPD-Patienten sei nur über den Blutsauerstoff gesteuert. Das bedeutet: Gebe ich ihm zu viel Sauerstoff, so soll er die Atmung einstellen.

Was aber kann ich denn dann machen, wenn ein COPDler mit Luftnot und einer schlechten Sauerstoffsättigung, also einem objektivierbaren Sauerstoffmangel!, in die Notaufnahme oder auf die Intensivstation gebracht wird?

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Qualitätsmanagement im Krankenhaus

Was ist eigentlich Qualität? Egal, wen man fragt, man wird unterschiedliche Antworten bekommen…

Laut der DIN ISO 9001:2015 ist Qualität die Erfüllung von Anforderungen von Kunden. Wer sind Kunden im Krankenhaus? Na klar – die Patienten. Aber die unterschiedlichen Termini implizieren es bereits: Kunden sind noch viel mehr Beteiligte: Ärzte, Transportdienst, Geschäftsführung und Controlling. Zum Beispiel.

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Vermeidung von perioperativer Hypothermie und Shivering

Jeder, der nach der Arbeit auf dem Sofa eine Runde ohne Decke schläft, kennt das Problem vermutlich: Man wacht ein paar Stunden später eiskalt wieder auf und muss erst mal in die Gänge kommen (und auftauen).

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EDAIC / DESA – eine sinnvolle Investition?

Das European Diploma in Anesthesia and Intensive Care (EDAIC), das zum Titel „Diplomate of the European Society of Anesthesiology“ (DESA) führt, ist eine ganz schön schwierige Nummer. Man muss viel Geld investieren und hat eine hohe Wahrscheinlichkeit durchzufallen – aber bringt es einem etwas für das weitere (berufliche) Fortkommen?

Schriftlich und mündlich, jeweils „Basic“ und „Clinical Science“

Das EDAIC ist in zwei Prüfungsteile aufgesplittet: Eine schriftliche und eine mündliche Prüfung, die jeweils einen „Basic Science“ und einen „Clinical Science“ Teil haben. Das Prüfungsgebiet erstreckt sich von den anatomischen, chemischen und physikalischen Grundlagen bis hin zu spezieller Anästhesie bei Neugeborenen, in der Kardio- und Neuroanästhesie.

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Parenterale Ernährung auf Intensivstationen

Die Ernährung von Intensivpatienten ist meiner Erfahrung nach stets ein viel diskutiertes Thema. Das Problem beginnt damit, dass man nur mit sehr aufwändigen Verfahren den tatsächlichen Kalorienbedarf des Patienten ermitteln kann. Es handelt sich hierbei um die (in)direkte Kalorimetrie oder die Stickstoffbilanz über die Gewinnung von 24-Stunden-Urin. Und dann ändert sich der Bedarf eines Patienten über den Verlauf seines Aufenthaltes gesehen auch noch ständig.

Der Grundumsatz liegt bei 25-30kcal/kg KG/Tag

Normalerweise geht man von 25-30kcal/kg KG/Tag als Grundumsatz aus. Grundumsatz bedeutet, dass dies die basalen metabolischen Voraussetzungen für eine aerobe Energiegewinnung erfüllt. Bei dieser Betrachtung liegt der Patient regungslos im Bett (körperlich inaktiv) und hat auch keinen metabolischen Stress.

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